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Über die Wiederaufbauarbeit in Sierra Leone haben wir eine Broschüre, die Sie im Missionsbüro bestellen können

Wiederaufbauarbeit in Sierra Leone Seite 1

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Der Krieg in Sierra Leone

Die Republik Sierra Leone (ca. fünf Millionen Einwohner) mit der Hauptstadt Freetown liegt an der Südwestküste Westafrikas. Das Staatsgebiet beträgt insgesamt knapp 72.000 qkm und hat damit in etwa die Größe Bayerns. 75 % des Landes kann landwirtschaftlich genutzt werden und auch Bodenschätze wie Bauxit, Rutil und Gold werden gefördert. An der Grenze zu Liberia werden Diamanten gefördert, über die es immer wieder zu Auseinandersetzungen und Kriegen kam. In dem Film „Blood Diamond“ - Blutdiamant - mit Leonardo DiCaprio wird dieses Thema eindrücklich aufgegriffen.

Das Land war britische Kolonie und erhielt 1961 seine Unabhängigkeit. Heute ist das Land eine Präsidialrepublik. Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Putschversuche. 1991 kam es zu einem 11-jährigen verheerenden Bürgerkrieg, als Rebellen aus dem Nachbarland Liberia nach Sierra Leone eindrangen, um den Präsidenten zu stürzen. Sierra-leonische Rebellen schlossen sich ihnen an und es kam zu einem jahrelangen grausamen Bürgerkrieg, in dem viele Menschen starben oder verstümmelt und aus ihren Dörfern vertrieben wurden. Viele Menschen flohen innerhalb des Landes oder in die Nachbarländer. Die Rebellen besetzten auch das Diamantengebiet und finanzierten ihre Waffen durch den Verkauf von Diamanten nach Europa und in die USA. Viele Häuser in Städten und Dörfern sowie Schulen, Krankenhäuser und andere öffentliche Gebäude wurden zerstört. Rebellen- und Regierungstruppen lieferten sich erbitterte Kämpfe, terrorisierten die Bevölkerung und rekrutierten auch Kinder, die zu Kampfhandlungen gezwungen wurden und missbrauchten Mädchen als Sex-Sklavinnen.

Erst am 18. Januar 2002 wurde das offizielle Ende des Bürgerkrieges verkündet. Mit Hilfe von UN-, ECOMOG-, und Truppen aus Großbritannien war es gelungen, die Rebellen zur Aufgabe zu bewegen und in die Friedensverhandlungen einzubeziehen. Seitdem steht das Land vor der riesigen Aufgabe des Wiederaufbaus und der Versöhnung. Ähnlich wie in Südafrika wurde eine Kommission zur Wahrheitsfindung und zur Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen eingesetzt, deren Vorsitzender EmK-Bischof Joseph C. Humper ist.

Die Kirche in Sierra Leone

Bischof Joseph C. Humper

1880 wurde die United Methodist Church (Evangelisch-Methodistische Kirche) in Sierra Leone gegründet. Heute hat sie über 100.000 Mitglieder. Geleitet wird die Kirche von Bischof Joseph C. Humper und neun Superintendenten. 131 Pastoren und 103 Laienprediger betreuen die Gemeinden in den Städten und auf dem Lande. Ausgebildet werden die Pastoren im ökumenischen Theologischen Seminar in Freetown.

 

Die Schulen in Sierra Leone

Soldaten halten die Klinik in Jaiama besetzt

Von Anfang an war es der Kirche wichtig, für gute Ausbildungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche zu sorgen. So hat die Kirche heute 269 Grundschulen und 24 weiterführende Schulen im ganzen Land. Die Lehrer werden vom Staat bezahlt. Leider sind durch den Bürgerkrieg viele Schulen zerstört worden. Die Dächer sind kaputt oder fehlen ganz, die Wände weisen Einschusslöcher auf und Mobiliar wurde entwendet oder zerstört. Vielerorts gibt es keine Schulbücher. So ist das Unterrichten sehr schwer geworden.

Das Gesundheitsprogramm in Sierra Leone

Soldaten halten die Klinik in Jaiama besetzt

Ein großes Anliegen der Kirche ist auch die Gesundheitsversorgung der Menschen. Zwei Krankenhäuser und neun Gesundheitsstationen werden von der Kirche unterhalten. Dazu gehört auch die Klinik in Jaiama, die schon 1921 von amerikanischen Missionsmitarbeitenden errichtet wurde. Seit den 60er Jahren haben dort immer wieder deutsche Krankenschwestern und Hebammen gearbeitet bis sie im Oktober 1992 Hals über Kopf vor dem Bürgerkrieg fliehen mussten. Die Klinik liegt in der Nähe der stark umkämpften Diamantenminen und wurde schon am Anfang des Bürgerkrieges von Rebellen besetzt. Diese benutzten die Gebäude zeitweise als Hauptquartier – so wurden einige Gebäude vor der völligen Zerstörung bewahrt. Später waren hier auch Regierungs- und UN-Truppen untergebracht, die den Frieden in Sierra Leone sichern sollten.

Die Aufbauarbeit beginnt

Die zerstörte Schule in Panguma
Hier sehen Sie die Schule nach dem Wiederaufbau
Viele Mitarbeiter aus dem Ort haben beim Klinikaufbau geholfen

Wie oben beschrieben, sind im ganzen Land viele Gebäude zerstört worden, aber noch viel mehr haben die Menschen gelitten, die dem Terror der Soldaten und Rebellen ausgesetzt waren. Nach dem Ende des Krieges ist es nun die Aufgabe, ihnen zu helfen, wieder in ein normales Leben zu finden. Dazu gehört neben der Betreuung und Behandlung von kriegstraumatisierten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen auch der Aufbau von Häusern, Schulen und den Gesundheitsstationen.

Die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland unterstützt seit vielen Jahren die EmK in Sierra Leone. So hat Dieter Monninger als Missionar bis zu seiner Flucht 1991 mit seiner Familie dort gearbeitet. 2006 konnte er für sechs Monate nach Sierra Leone zurückkehren und gezielt die Aufbauarbeit vorantreiben. Zusammen mit einigen deutschen und einheimischen Mitarbeitenden konnten in dieser Zeit mit deutschen Spendengeldern zwei Grundschulgebäude in Panguma fertig gestellt sowie das Dach der Oberschule in Jaiama repariert und das Mitarbeiterhaus für den Schulleiter gebaut werden. Auf dem Klinikgelände in Jaiama wurden sechs größere und zwei kleinere Gebäude wieder in Stand gesetzt. Neben der handfesten Mitarbeit der Menschen vor Ort haben einige auch für die Klinik gespendet. So konnten fünf Matratzen und ein Mikroskop mit Geldern von Einheimischen für die Klinik angeschafft werden.

Am Tag der Klinik-Einweihung kamen über 200 Personen

Mit einer großen Einweihungsfeier wurde am 10. August 2006 die Klinik in Jaiama wieder eröffnet. An dieser Feier nahmen weit über 200 Personen aus den umliegenden Dörfern teil. Neben dem Bürgermeister (Paramount Chief) und Bischof C. Humper war auch ein Minister der Regierung aus Freetown gekommen sowie Thomas Kemper aus Deutschland. Dieter Monninger schrieb: „Beim ersten Rundgang durch die Gebäude sind die Frauen aus dem Dorf spontan vor Freude singend durch die Räume getanzt – das war eine herzliche offene Freude – einfach unbeschreiblich…“ Bischof C. Humper betonte in seiner Rede, dass der Wiederaufbau ein wichtiger Bestandteil von Traumaheilung in diesem Land ist. „Die Menschen sehnen sich danach, wieder etwas Heiles und Schönes zu sehen.“

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