08.10.2011
Wie aus Partnerschaft Freundschaft wird
Im September 2011 reiste eine vierköpfige Delegation des Gemeindebezirks Hannover/Wunstorf nach Malawi, um die junge Gemeinde-Partnerschaft mit der Galiea-Gemeinde in Blantyre zu vertiefen. Irene Kraft berichtet von ihren Erlebnissen und Eindrücken
"Wenn ihr wirklich unsere Partner werden wollt, dann müsst ihr auch zu uns nach Malawi kommen!" betonte Superintendent Daniel Mhone bei seinem Besuch in Hannover im November 2010 immer wieder. Damals war die Partnerschaft zwischen dem Gemeindebezirk Hannover/Wunstorf und der Galilea-Church in Blantyre, Malawi, noch ziemlich jung, erfuhr aber wichtige Impulse durch die Begegnung mit Daniel Mhone und seiner Frau Moty.
Anfang September 2011 war es dann so weit: Eine vierköpfige Delegation aus Hannover/Wunstorf machte sich auf den weiten Weg ins »warme Herz Afrikas«.
Schnell wurde uns klar: Es würde eine beeindruckende, wunderbare und abenteuerliche Zeit werden! Mindestens 15 Personen erwarteten uns am Flughafen und begrüßten uns mit Gebet und Lied. Auf der Fahrt in die Stadt konnten wir uns kaum satt sehen an der so ganz anderen Umgebung, den Menschen und den vielen neuen Eindrücken. Wir erlebten die erste von insgesamt drei Autopannen und lernten gleich eine wichtige afrikanische Überlebensstrategie: Man macht Pläne – aber wenn ein Plan nicht funktioniert, muss er eben geändert und den Gegebenheiten angepasst werden!
In der kurzen Zeit unseres Aufenthaltes ist uns dieses kleine, bevölkerungsreiche Land in Südostafrika sehr ans Herz gewachsen. Es ist geprägt von großen Gegensätzen, viel Armut und Korruption, aber auch ausgestattet mit einer atemberaubenden Natur und wundervollen Menschen. Die Herzlichkeit der Geschwister in unserer Partnergemeinde, ihr Glaube und ihre Art, das Leben und seine Herausforderungen anzupacken, haben uns beeindruckt.
Am Sonntag feierten wir mit unserer Partnergemeinde in der Galilea-Church den Gottesdienst. Auffallend waren die vielen jungen Gottesdienstbesucher und -besucherinnen. Das hängt natürlich damit zusammen, dass die malawische Gesellschaft insgesamt viel jünger ist als die deutsche. Wir erfuhren aber später auch, dass die Gemeinde sich besonders darum bemüht, junge Menschen in die Gestaltung des Gemeindelebens einzubeziehen und ihnen Verantwortung zu übertragen.
Nach dem Gottesdienst erklärte Mercy Nyirongo, Gesundheitskoordinatorin für die Malawische Konferenz, der Gemeinde die Funktionsweise der neu gebauten Bio-Trockentoilette und übergab sie feierlich zum Gebrauch. Ziel ist es, nach und nach in jeder EmK-Gemeinde eine solche Toilette zu bauen und dadurch für bessere hygienische Verhältnisse zu sorgen.
Pastor Collings Kaunda, die Mitarbeiterin der EmK-Weltmission Inke Johannsen und einige weitere Personen haben unseren Besuch liebevoll vorbereitet und sich viel Zeit für uns genommen. In den folgenden Tagen besuchten wir Projekte auf dem ganzen Bezirk. Neben der Hauptgemeinde in Blantyre gibt es derzeit acht weitere Gemeinden und Predigtplätze in teilweise ganz abgelegenen Dörfern.
In Blantyre und an zwei weiteren Standorten betreibt der Bezirk Kindergärten. Mit einfachsten Mitteln werden die Kinder dort betreut, auf die Schule vorbereitet und erhalten täglich eine warme Mahlzeit. Einige Frauen haben auf dem Kirchengelände der Galilea-Gemeinde ein Pilzprojekt aufgebaut. Sie produzieren Bio-Austernpilze und verkaufen diese, um so das schmale Familieneinkommen aufzubessern. Seit kurzem gibt es auf dem Kirchengelände außerdem eine kleine "Klinik" mit einem Ernährungsprogramm für HIV-Positive und unterernährte Kleinkinder – ebenfalls ein Modellprojekt, das auch auf anderen Bezirken in der Konferenz umgesetzt werden soll.
In vielen Gesprächen lernten wir uns gegenseitig besser kennen und gewannen ein Verständnis für die jeweils unterschiedliche Lebenssituation. Viele gemeinsame Mahlzeiten und ein Safari-Ausflug in den Majete-Nationalpark stärkten die Gemeinschaft. Wir tauschten uns über unsere Vorstellungen von Partnerschaft aus und stellten fest: Partnerschaft beinhaltet mehr als finanzielle Unterstützung. Es geht darum, voneinander zu wissen, füreinander zu beten, Erfahrungen und Kenntnisse auszutauschen. Aber angesichts der materiellen Not in Malawi sind wir aus Deutschland auch gefragt zu überlegen, wo und wie wir Projekte darüber hinaus finanziell unterstützen können.
Am letzten Tag waren wir eingeladen, bei der Herstellung der ersten Ziegelsteine für eine neue Kirche mitzuhelfen. Die Galiläa-Gemeinde träumt von einem neuen Gebäude, das mehr Platz für Gottesdienste und Gemeindeleben bietet. Die Pläne sind da, ob sie finanzier- und umsetzbar sind, wird sich zeigen müssen. Aber wir haben erlebt, wie viele Dinge in dieser jungen malawischen Kirche und in unserer Partnergemeinde in Bewegung sind. Die Menschen sind mit großem Engagement, viel Hoffnung, Liebe und vor allem Gottvertrauen unterwegs. Gespannt erwarten wir mit ihnen gemeinsam, wie es weitergeht, welche Türen Gott öffnen und welche Wege er ebnen wird!
Unsere kleine Reisegruppe wurde durch diese Woche mit unseren Geschwistern in Blantyre reich beschenkt. Ziel der Reise war es, die Partnerschaft zwischen zwei Gemeinden zu stärken. Am Ende spürten wir: Wir sind mehr als Partner. Wir sind Freunde geworden. Es ist unser großer Wunsch und unser Gebet, dass die Freundschaft zwischen unseren beiden Gemeinden/Bezirken wachsen kann und wir alle dadurch beschenkt und gesegnet werden.








