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Liberia

Landkarte Liberia

Liberia liegt an der Küste Westafrikas, umgeben von den Nachbarländern Sierra Leone, Guinea und der Elfenbeinküste. Es erstreckt sich auf einer Fläche von 110.370 qkm, die von geschätzten 3,3 Mio. Menschen bewohnt wird

Liberia besteht seit 1847 als selbstständiger Staat und ist damit die älteste afrikanische Republik. Bereits 1829 begann die Besiedlung der sogenannten Pfefferküste Westafrikas durch freigelassene Sklaven aus den USA. Wenig später gelang die formale Gründung einer ersten städtischen Siedlung auf dem Gebiet, der später nach dem amerikanischen Präsidenten Monroe benannten Hauptstadt Monrovia. Die Siedler und ihre Familien waren derart von der englischen Sprache, dem Christentum und der westlichen Lebensweise geprägt, dass sie mit ihrem Selbstverständnis als Träger von Zivilisation und Christentum, die ansässigen Völker des Hinterlandes als "Heiden, Ungläubige und Wilde" bezeichneten.

Jene "zivilisierten" Ameriko-Liberianer fanden so große Unterstützung aus den USA, dass Liberia lange faktisch als amerikanische Kolonie auf dem afrikanischen Kontinent angesehen wurde, obwohl es bereits 1847 seine Unabhängigkeit erklärt hatte. In der Folgezeit bauten die Ameriko-Liberianer, die nur einen kleinen Anteil der Gesamtbevölkerung ausmachten, mithilfe der USA einen Staat auf, in dem die afro-liberianische Mehrheit bis zum Militärputsch im Jahre 1980 kaum Mitbestimmungsrechte hatten. Mit Samuel Doe kam dann 1980 erstmals ein Afro-Liberianer an die Macht. In den 80-er Jahren änderte sich die Situation der rivalisierenden Gruppen. Waren es vorher die Ameriko-Liberianer gegen die einheimischen Volksgruppen, so entstand jetzt ein Gerangel zwischen den nun herrschenden und anderen, nicht an der Macht beteiligten afro-liberianischen Gruppen. Die Unfähigkeit der Doe-Regierung, verbunden mit Korruption und Unterdrückung, sowie der fortschreitende wirtschaftliche Niedergang führten schließlich 1989 zum Ausbruch eines Bürgerkrieges, weitgehend auf ethnisch-regionaler Ebene. Nach einigen Jahren hatte sich schließlich mit Charles Taylor der stärkste "warlord" durchgesetzt. Nachdem er 1997 zum Präsidenten gewählt worden war, kehrte zunächst Ruhe ein. Allerdings gab es auch weiterhin Teile des Landes, die unter militärischer Kontrolle von Rebellen standen. Insbesondere der Nordwesten wurde von der Rebellenbewegung LURD kontrolliert, deren politisches Hauptziel es war, Taylor als Präsident zu entmachten. Im Osten Liberias, im Grenzgebiet zur Elfenbeinküste hatte sich eine Rebellengruppe gebildet, die sich MODEL nannte und diesen Teil des Landes kontrollierte. Taylor und seine Truppen verloren immer mehr an Kontrolle und Boden innerhalb des Landes, und es entstand eine internationale Isolierung des Regimes. Die Vereinten Nationen (UN) hatten umfangreiche Sanktionen verhängt, um die Regierung von ihren Haupteinnahmequellen (insbesondere aus dem Diamanten- und Tropenholzhandel) abzuschneiden, da sie beschuldigt wurde, Konflikte in den Nachbarländern Sierra Leone, Guinea und der Elfenbeinküste zu schüren. Am 11.08.2003 musste Taylor schließlich ins nigerianische Exil.

Am 18.08.2003 wurde in Accra/Ghana ein Friedensvertrag von der liberianischen Regierung und Vertretern der beiden Rebellengruppen unterzeichnet. Es wurde ein umfassendes Entwaffnungs-, Demobilisierungs-, Reintegrations- und Rückführungsprogramm entwickelt. Die Entwaffnung und Demobilisierung konnte inzwischen mit massiver Unterstützung der UN und anderer internationaler Organisationen erfolgreich durchgeführt werden. Weitaus schwieriger gestaltet sich die Rückführung und Reintegration von Flüchtlingen und ehemaligen Kämpfern. Die für diesen Teil des Programms zur Verfügung gestellten Gelder sind überhaupt nicht ausreichend, zudem fehlt ein überzeugendes Gesamtkonzept zur weiteren Entwicklung des Landes. Die Sicherheitslage ist in weiten Teilen des Landes immer noch nicht stabil. Die Lage der Zivilbevölkerung ist weiterhin schwierig. Viele Liberianer leben noch als Flüchtlinge im Exil oder, als im eigenen Land Vertriebene, in Lagern. Es wird geschätzt, dass ca. 70% der Bevölkerung unterhalb des Existenzminimums leben, wobei 50% als extrem arm und akut gefährdet angesehen werden. Gesundheitseinrichtungen und Kirchen sind weitestgehend zerstört und geplündert worden. Die Abhängigkeit von internationaler (Not-)Hilfe ist groß. Schon vor Beginn des Bürgerkriegs erbrachten die Nichtregierungsorganisationen und Kirchen etwa 2/3 der sozialen Dienste in Liberia.